KATRIN

„Frauen müssen nicht perfekt sein. Gut ist gut genug.“

Wie alles begann

Das Ferialpraktikum, das ich zu meiner HAK* Schulzeit im Personalbereich eines großen Unternehmens in Innsbruck absolvierte, ist für meine frühe Liebe für das Personalwesen verantwortlich. Ich hatte damals erkannt, ich arbeite gerne mit Leuten! Obwohl ich mit dem Gedanken spielte zu studieren, begann ich als Assistentin der Geschäftsführung bei einem jungen Tiroler Unternehmen. Das bedeutete viel Aufbauarbeit, inklusive dem Aufbau von Personal und einer Personalabteilung. Ich lernte verschiedenste Arbeits- und Aufgabenbereiche kennen und wechselte zu einem anderen Unternehmen. Dort war ich insgesamt acht Jahre lang und in der Zeit kamen meine beiden Kinder Lina und Felix zur Welt. Bei diesem Unternehmen konnte ich Beruf und Familie leider nicht gut vereinen. Also suchte ich nach einer Alternative. Ich konnte mir den Traum vom Studium erfüllen, denn mit dem Wechsel zu Cura hatte ich die Möglichkeit berufsbegleitend zu studieren, da ich den Master noch nicht fertig habe.

Ein Akt der Balance

Beruf, Familie und Studium. Damit das gemeinsam gelingt braucht es vor allem Organisation. Wer nicht organisiert ist wird sich schwertun. Manchmal habe ich das Gefühl es handelt sich bei mir um ein „Minutenmanagement“. Wenn alles normal läuft, dann geht das gut, richtig herausfordernd sind die Ausnahmen. Wenn zum Beispiel eines der Kinder krank ist oder ich kurzfristig Termine umplanen muss. Deswegen ist der zweite Aspekt ein gutes soziales Netzwerk zu haben. Und dann braucht es auch noch Motivation. Die Liebe zu dem was ich mache ist mein Antreiber. Ich finde Erfüllung in dem was ich tue. Oft fühlt sich Arbeit nicht als Arbeit an. Wenn ich Früchte trage, aus dem was ich gerne mache, und es auch gut mache, dann bin ich motiviert; und nehme den Drahtseilakt in Kauf. Fernsehen am Abend, das gibt es eben nur noch recht selten. Sind die Kinder im Bett, dann heißt es für mich entweder Studium oder Arbeiten. Ich habe es mir so ausgesucht, das Studium ist für mich ein Stückweit Hobby.

Hauptsache den Kindern geht es gut

An oberster Stelle steht, dass es den Kindern gut geht. Mir war bei allen Betreuungsformen, egal ob Tagesmutter, Kinderkrippe und Kindergarten, besonders wichtig, dass diese im sozialen Umfeld der Kinder stattfinden, da wo sie groß werden. Ich wollte, dass sie, wenn sie die Betreuungsart wechseln, immer noch von denselben Kindern umgeben sind. Zudem, für mich als Berufstätige, ist leistbare Ferien- und Nachmittagsbetreuung mit Mittagessen wichtig. Wie soll es möglich sein bei 13 Ferienwochen und 5 Wochen Urlaub den Bedarf selbst abdecken?

Weshalb ich da bin wo ich bin.

Im Nachhinein war der Weg oft schwierig und hart. In den Momenten hat es sich gar nicht so angefühlt. Ich hatte stets das „big picture“ vor Augen und ich hatte immer Ziele. Da bin ich mit viel Leidenschaft schrittweise meinen Weg gegangen. Mir war immer klar wofür ich tue was ich tue. Wo will ich hin? Sonst wird unnötig Energie verpufft. Ich bin HR**, meine Kundinnen und Kunden sind meine Mitarbeitenden. Ein Treiber wird gebraucht und ein Ziel vor Augen. Und mit der Zeit wurde gesehen, was ich leiste und so bekam ich stets Möglichkeiten mich zu entwickeln. Ich hatte zwei Mentoren in meinem Leben von denen ich viel gelernt habe. Sie haben mich in meinen Sachen bestätigt und mich auf dem Weg nach oben mitgenommen. Das hat mich bereichert und empfinde ich als großes Glück.

Frauen brauchen mehr Selbstbewusstsein

Frauen müssen sich mehr zutrauen. Wenn sie eine Stellenbeschreibung lesen und nur drei der geforderten Qualifikationen mitbringen, trauen sie sich die Stelle nicht zu. Männer sagen: ich bringe drei mit, das kann ich! Frauen brauchen mehr Selbstbewusstsein. Heute sind Führungskräfte auch keine einzeln Kämpfende mehr, sie haben ein Team; heute gelingt Zusammenarbeit und Erfolg nur im Team. Ein Team zu führen, dafür sind Männer und Frauen gleich prädestiniert. Und Unternehmen sollen viel mehr den Mut aufbringen Führungskräfte in Teilzeit anzustellen. Mütter in Teilzeit bringen ganz viel weiter und sind meist sehr dankbare Mitarbeiterinnen. Sie haben die Möglichkeit sich als Mama, und mit Leidenschaft im Beruf, zu verwirklichen.

„Frauen müssen sich mehr zutrauen. Wenn sie eine Stellenbeschreibung lesen und nur drei der geforderten Qualifikationen mitbringen, trauen sie sich die Stelle nicht zu. Männer sagen: ich bringe drei mit, das kann ich! Frauen brauchen mehr Selbstbewusstsein!“

Die Quintessenz

Gleichberechtigung. Wir Frauen wollen auch Vorbilder sein. Ich will meiner Tochter Vorbild sein. Ich denke wir sind die erste Generation, die alles machen darf. Damit Gleichberechtigung funktioniert, dann betrifft das nicht nur die eine Person, sondern das gesamte Rundherum. Es braucht Partner, die mitmachen, die entsprechende Betreuung, die Firmen. Alle müssen mitspielen. Im Moment passt die Balance vielfach noch nicht. Und Frauen müssen sich eingestehen, es muss nicht alles perfekt sein. So gut wie möglich reicht vollkommen aus. Und in der Gesellschaft gilt es zu akzeptieren, dass es okay ist, wenn eine Frau acht Wochen nach der Geburt wieder arbeiten geht. Oder wenn sie zu Hause bleibt. Lassen wir doch alle anderen sein. Und jede manövriert sich durch ihren Jungle. Und zuletzt brauchen wir Resilienz. Als Mutter, als Führungskraft, als Berufstätige. Um erziehen zu können um ein Privatleben zu leben und um anderen ein Vorbild zu sein.

September 2019

Dieser Beitrag ist im Rahmen eines Interviews von Frauen im Brennpunkt mit Katrin Winterle-Preindl, CURA Marketing Head of Human Resources, entstanden. 

*  Handelsakademie
** Human Resources

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