WEIL ICH EINE FRAU BIN.

Frauen im Brennpunkt portraitiert Frauen und ihre individuelle Geschichten. Damit werden Frauenleben in Tirol aufgezeigt. Persönliche Schritte, die zu Erfolgen führten, sowie besondere Herausforderungen, werden sichtbar und nachlesbar. Inhaltlich bewegen sich die Fragestellungen, aufgrund derer die Gespräche mit den Frauen geführt werden, in den Bereichen in denen Frauen im Brennpunkt sich verortet: berufliche Qualifizierung und Bildung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie allgemeine Frauenpolitische Anliegen.
In jeder Ausgabe des Frauen im Brennpunkt Newsletters erscheint eine neue Frauenstimme. Viel Freude beim Lesen.

Wie alles begann

Das Ferialpraktikum, das ich zu meiner HAK* Schulzeit im Personalbereich eines großen Unternehmens in Innsbruck absolvierte, ist für meine frühe Liebe für das Personalwesen verantwortlich. Ich hatte damals erkannt, ich arbeite gerne mit Leuten! Obwohl ich mit dem Gedanken spielte zu studieren, begann ich als Assistentin der Geschäftsführung bei einem jungen Tiroler Unternehmen. Das bedeutete viel Aufbauarbeit, inklusive dem Aufbau von Personal und einer Personalabteilung. Ich lernte verschiedenste Arbeits- und Aufgabenbereiche kennen und wechselte zu einem anderen Unternehmen. Dort war ich insgesamt acht Jahre lang und in der Zeit kamen meine beiden Kinder Lina und Felix zur Welt. Bei diesem Unternehmen konnte ich Beruf und Familie leider nicht gut vereinen. Also suchte ich nach einer Alternative. Ich konnte mir den Traum vom Studium erfüllen, denn mit dem Wechsel zu Cura hatte ich die Möglichkeit berufsbegleitend zu studieren, da ich den Master noch nicht fertig habe.

Ein Akt der Balance

Beruf, Familie und Studium. Damit das gemeinsam gelingt braucht es vor allem Organisation. Wer nicht organisiert ist wird sich schwertun. Manchmal habe ich das Gefühl es handelt sich bei mir um ein „Minutenmanagement“. Wenn alles normal läuft, dann geht das gut, richtig herausfordernd sind die Ausnahmen. Wenn zum Beispiel eines der Kinder krank ist oder ich kurzfristig Termine umplanen muss. Deswegen ist der zweite Aspekt ein gutes soziales Netzwerk zu haben. Und dann braucht es auch noch Motivation. Die Liebe zu dem was ich mache ist mein Antreiber. Ich finde Erfüllung in dem was ich tue. Oft fühlt sich Arbeit nicht als Arbeit an. Wenn ich Früchte trage, aus dem was ich gerne mache, und es auch gut mache, dann bin ich motiviert; und nehme den Drahtseilakt in Kauf. Fernsehen am Abend, das gibt es eben nur noch recht selten. Sind die Kinder im Bett, dann heißt es für mich entweder Studium oder Arbeiten. Ich habe es mir so ausgesucht, das Studium ist für mich ein Stückweit Hobby.

Hauptsache den Kindern geht es gut

An oberster Stelle steht, dass es den Kindern gut geht. Mir war bei allen Betreuungsformen, egal ob Tagesmutter, Kinderkrippe und Kindergarten, besonders wichtig, dass diese im sozialen Umfeld der Kinder stattfinden, da wo sie groß werden. Ich wollte, dass sie, wenn sie die Betreuungsart wechseln, immer noch von denselben Kindern umgeben sind. Zudem, für mich als Berufstätige, ist leistbare Ferien- und Nachmittagsbetreuung mit Mittagessen wichtig. Wie soll es möglich sein bei 13 Ferienwochen und 5 Wochen Urlaub den Bedarf selbst abdecken?

Weshalb ich da bin wo ich bin.

Im Nachhinein war der Weg oft schwierig und hart. In den Momenten hat es sich gar nicht so angefühlt. Ich hatte stets das „big picture“ vor Augen und ich hatte immer Ziele. Da bin ich mit viel Leidenschaft schrittweise meinen Weg gegangen. Mir war immer klar wofür ich tue was ich tue. Wo will ich hin? Sonst wird unnötig Energie verpufft. Ich bin HR**, meine Kundinnen und Kunden sind meine Mitarbeitenden. Ein Treiber wird gebraucht und ein Ziel vor Augen. Und mit der Zeit wurde gesehen, was ich leiste und so bekam ich stets Möglichkeiten mich zu entwickeln. Ich hatte zwei Mentoren in meinem Leben von denen ich viel gelernt habe. Sie haben mich in meinen Sachen bestätigt und mich auf dem Weg nach oben mitgenommen. Das hat mich bereichert und empfinde ich als großes Glück.

 

Frauen brauchen mehr Selbstbewusstsein

Frauen müssen sich mehr zutrauen. Wenn sie eine Stellenbeschreibung lesen und nur drei der geforderten Qualifikationen mitbringen, trauen sie sich die Stelle nicht zu. Männer sagen: ich bringe drei mit, das kann ich! Frauen brauchen mehr Selbstbewusstsein. Heute sind Führungskräfte auch keine einzeln Kämpfende mehr, sie haben ein Team; heute gelingt Zusammenarbeit und Erfolg nur im Team. Ein Team zu führen, dafür sind Männer und Frauen gleich prädestiniert. Und Unternehmen sollen viel mehr den Mut aufbringen Führungskräfte in Teilzeit anzustellen. Mütter in Teilzeit bringen ganz viel weiter und sind meist sehr dankbare Mitarbeiterinnen. Sie haben die Möglichkeit sich als Mama, und mit Leidenschaft im Beruf, zu verwirklichen.

„Frauen müssen sich mehr zutrauen. Wenn sie eine Stellenbeschreibung lesen und nur drei der geforderten Qualifikationen mitbringen, trauen sie sich die Stelle nicht zu. Männer sagen: ich bringe drei mit, das kann ich! Frauen brauchen mehr Selbstbewusstsein!“

Die Quintessenz

Gleichberechtigung. Wir Frauen wollen auch Vorbilder sein. Ich will meiner Tochter Vorbild sein. Ich denke wir sind die erste Generation, die alles machen darf. Damit Gleichberechtigung funktioniert, dann betrifft das nicht nur die eine Person, sondern das gesamte Rundherum. Es braucht Partner, die mitmachen, die entsprechende Betreuung, die Firmen. Alle müssen mitspielen. Im Moment passt die Balance vielfach noch nicht. Und Frauen müssen sich eingestehen, es muss nicht alles perfekt sein. So gut wie möglich reicht vollkommen aus. Und in der Gesellschaft gilt es zu akzeptieren, dass es okay ist, wenn eine Frau acht Wochen nach der Geburt wieder arbeiten geht. Oder wenn sie zu Hause bleibt. Lassen wir doch alle anderen sein. Und jede manövriert sich durch ihren Jungle. Und zuletzt brauchen wir Resilienz. Als Mutter, als Führungskraft, als Berufstätige. Um erziehen zu können um ein Privatleben zu leben und um anderen ein Vorbild zu sein.

September 2019

 

Dieser Beitrag ist im Rahmen eines Interviews von Frauen im Brennpunkt mit Katrin Winterle-Preindl, CURA Marketing Head of Human Resources, entstanden. 

 

*  Handelsakademie
** Human Resources

Meine Geschichte

Meine Geschichte beginnt im Großen und Ganzen damit, dass ich als viertes von sechs Kindern geboren wurde. In einer kinderreichen Familie aufzuwachsen bedeutete für mich, viel Kinderzeit zu erleben. So wuchs ich schon allein durch meine Geschwister stets umgeben von Kindern auf. Ich absolvierte einen mittleren Schulabschluss, heiratete sehr jung und bekam eigene Kinder.

Was ich wusste, damals vor knapp 30 Jahren war, dass ich in den ersten Jahren bei meinen Kindern sein wollte. Was ich nicht wusste: Wo will ich überhaupt hin? Was will ich erreichen? Über ein Inserat bewarb ich mich und wurde Tagesmutter. Zehn Jahre lang hatte ich somit die Möglichkeit neben meinen eigenen Kindern weitere Kinder, bei uns zu Hause, zu betreuen.

Was darauf folgte: Der Wunsch nach Veränderung. Dieser ließ mich hellhörig sein und der Zufall ergab, dass ich als Vertretung in der damaligen Spielgruppe Zugspitzzwerge mitarbeiten konnte. Eine Kollegin hörte auf und manchmal im Leben, da spüre ich: das will ich! Den dazugehörigen Mut hatte ich damals auch.

 

Zeiten der Veränderung

Allerdings folgte die Erkenntnis: Ich brauche Weiterbildung. Ohne spezifische Ausbildung kam im Alltag eine Unzufriedenheit in mir auf. Der Früherziehungslehrgang vom Land Tirol – es war der erste dieser Art – ermöglichte mir die Ausbildung zur Früherzieherin. Nach Abschluss dieser Ausbildung konnte die Spielgruppe in Ehrwald in eine Kinderkrippe umgewandelt werden.

Diese Zeit fühlt sich rückwirkend an wie ein Spagat: Ausbildung, eine dritte Tochter, die wir bekommen haben und ein außerhäuslicher Beruf. Weshalb es mir gelungen ist? Privat, weil wir als Familie an einem Strang gezogen haben. Meine Familie, mein Mann, haben mich darin unterstützt, das zu tun, worin ich aufging und immer noch aufgehe. Insgesamt war es eine Zeit, in der sich ein gewisser Strukturwandel vollzogen hat, in der der Zugang zum Beruf der Früherzieherin ausgeweitet wurde. Es war damals viel im Aufbau. Heute wäre dieser Weg so nicht mehr denkbar. Damals hat viel genau gepasst.

 

Es tut sich was!

Dass sich in der Elementarpädagogik was tut, davon bin ich begeistert. Die Entscheidung für den Beruf mit rund 14 Jahren, das finde ich zu früh. Meine Mama hätte mir damals sogar vorgeschlagen, Kindergartenpädagogin zu werden. Allerdings hat es dafür bei mir eben länger gedauert. Ich hatte erst durch die Erfahrungen als Tagesmutter das Gefühl, da bringt mich was weiter, ich habe etwas gefunden, das mir richtig gefällt, worin ich aufgehe! Und so folgte auch der Leitungslehrgang.

Über zehn Jahre bin ich mittlerweile auch schon die Leiterin der Kinderkrippe. Ich bin eine Spätberufene, und der Job ist meine Berufung, das spüre ich. Nach all der Zeit ist das so. Das Beziehungsdreieck mit Eltern und Kindern, das fasziniert mich. Ich weiß, dass ich mit meinem Wissen und meinen Erfahrungen den Eltern etwas weitergeben kann.

Wir sind Expertinnen und Experten für die Altersgruppe der eineinhalb bis dreijährigen Kinder. Die Erfahrung macht uns reich und trotzdem gibt es auch für uns immer wieder Überraschungen. Wir sind Vorbilder. Ich empfinde es als besonders wichtig, Kindern Zeit zu lassen. Kinder verstehen meist viel mehr als wir denken.

In meinem Job sehe ich meine Aufgabe darin, mein erworbenes Wissen zurück in die Gesellschaft zu tragen. Kinder begreifen – eben in dem sie angreifen und erfahren. Für mich ist das so zentral. So sehe ich das auch: Es gilt für mich Dinge auszuprobieren. In meiner Leitungsposition ist das von großer Bedeutung. Und es gefällt mir auch, denn ich spüre immer wieder, es tut sich was!

 

 

Juli 2019

 

Möglichkeiten aufzeigen und Türen öffnen

In Bezug auf unsere eigenen Kinder, das habe ich auch mit meinem Mann rückwirkend und rückblickend diskutiert. Von unseren beiden erwachsenen Töchtern hat eine ihr Studium bereits absolviert und die zweite ist noch dran. In Wien und Graz, nicht unmittelbar um die Ecke in Innsbruck, haben sie studiert. Unsere Jüngste arbeitet auf die Matura hin. Was haben wir gemacht?  Wir haben ihnen Türen geöffnet. Als Eltern können wir öffnen und zeigen oder einen Blick in die Weite verwehren.

Uns war wichtig, dass unsere Töchter ihre eigenen Entscheidungen treffen. Alle drei wissen, sie können mit uns rechnen und auf uns zählen. Und sie sollten für sich herausfinden, was ihnen Freude macht, um so Erfüllung in ihren Berufen – als Kunsthistorikerin und Lehrerin der Sekundarstufe – zu finden. Bildung bedeutet für mich, wissen was du willst, dir deine Meinung bilden, diskutieren und kritisch hinterfragen. Als ich gefragt wurde, ob ich für ein Interview zur Verfügung stehe, da hat meine Tochter gesagt:

„Klar Mama, du kannst deine Geschichte schon erzählen!“

Frau sein

Ich bin gerne Frau. Fühle mich stark und selbstbewusst und auch mal emotional. Gefühle zeigen, das gehört zum Frausein und zum Mannsein. Ja, ich bin gern Frau, ich bin’s gern. Meine Mutter hat mir viel vorgelebt. Sie ist eine Inspiration für mich, wie viele starke Frauen. Überhaupt gibt es so viele starke Frauen. Spannende Persönlichkeiten, die strahlen und motivieren. Frauen, mit denen ich in ein gutes Gespräch komme, von denen kann ich etwas mitnehmen.

Auch im Verein Frauen im Brennpunkt habe ich Powerfrauen erlebt. Ich wurde gepusht im Sinne von „Mach das doch!“ Ich fühle mich wertgeschätzt und das ermöglicht mir, dahin zu gehen, wo andere vielleicht denken, das kann sie doch nicht. Vorbilder haben mir gezeigt, dass ich es weit schaffen kann. Ich bin da, wo ich sein will. Ein Weg, der mir nicht immer so klar war, der auch nicht immer der direkteste war.

 

 

Dieser Beitrag ist im Rahmen eines Interviews von Frauen im Brennpunkt mit Maria-Luise Razenberger, Leiterin der Kinderkrippe Zugspitzzwerge, entstanden.