MONA

„Veränderst du dich oder bleibst du so?“

Stationen meines Lebens

Ich bin vor zwölf Jahren aus Deutschland nach Innsbruck gekommen. Rückblickend war das eine gute Entscheidung für mich. Ich bin gelernte Krankenpflegerin, habe auch in diesem Bereich eine Zeit lang gearbeitet. Die viele Trauerarbeit habe ich aber irgendwann als sehr kräftezehrend erlebt. Dann war ich im Management tätig, war Produktmanager für ein großes Handelsunternehmen. Das war ein spannender Job, der mir viel Spaß gemacht hat.

Als wir uns entschieden haben, nach Innsbruck zu gehen, wollten wir etwas ganz neues anfangen und so habe ich mit meinem damaligen Lebenspartner ein Restaurant eröffnet. Das war alles andere als leicht. Nach knapp drei Jahren haben wir das Projekt hinter uns lassen müssen. Meine Kinder waren zu diesem Zeitpunkt 8, 9 und 15 Jahre alt. Ich stand vor der Herausforderung, als Alleinerzieherin nochmal von vorne anzufangen. Da habe ich mich entschieden, wieder zurück in die Pflege zu gehen, und noch eine Ausbildung für Sozialbetreuung zu machen.

Eine besondere Begegnung

Zeitgleich hat sich dann die Gelegenheit ergeben, in der Kinderkrippe emil als Einzelbetreuerin für ein autistisches Kind anzufangen. Ich habe Weiterbildungen in Kinder- und Jugendpsychologie und spezifisch über Autismus gemacht. Ich wollte diese große Herausforderung annehmen und es richtig machen, verstehen, was in diesem Kind vorgeht. Die Familie hat mir Einblick in ihr Leben gewährt und hat dem Jungen und mir so erlaubt, gut zusammenzuarbeiten. Der autistische Junge war damals vier Jahre alt. Innerhalb eines halben Jahres konnten wir große Veränderungen bei ihm feststellen. Wir hatten eine sehr starke Verbindung zueinander und wir konnten uns nach einer Weile schon sehr gut auch nonverbal verständigen. Wenn er es in der Gruppe nicht mehr ausgehalten hat, dann bin ich mit ihm rausgegangen, wir haben uns an den Inn gesetzt, da konnte er sich entspannen. Aber es war auch schön zu sehen, dass er sich mit der Zeit in der Gruppe immer wohler gefühlt hat. Ich sehe ihn heute manchmal immer noch, weil er bei mir in der Nähe wohnt.

Nach der Zeit in der Kinderkrippe hätte ich als seine Betreuerin mit ihm in den Kindergarten gehen können. Darüber habe ich lange nachgedacht. Aber ich bin zum Schluss gekommen, dass es für ihn besser ist, wenn er sich nicht zu lange und zu stark an eine einzelne Person bindet, sondern auch seine Betreuungsperson irgendwann wechselt. Und ich glaube, das war gut so. Für mich hat es sich dadurch ergeben, dass ich in der Kinderkrippe bleiben und eine Elementarpädagogik-Ausbildung machen konnte. Und diese Arbeit macht mir große Freude.

Corona in der Kinderkrippe

In der Kinderkrippe waren wir zu Beginn genauso mit dieser unbekannten Situation überfordert wie alle anderen. Als die Kinder dann wieder in die Krippe gekommen sind, hat man gemerkt, dass sie sehr unruhig waren.

„Es waren ja nicht nur die Eltern von den Kindern überlastet, sondern auch die Kinder von den Eltern und Geschwistern!

Auch zuhause habe ich das stark gemerkt, der erste Lockdown hat uns alle vor den Kopf gestoßen. Ich habe mir damals einen Hund einreden lassen (lacht), worüber ich heute sehr froh bin. Der Hund hat uns einen Grund gegeben, hinauszugehen und innerhalb der Familie neu in Kontakt zu kommen. Das hat uns sehr gut getan.

Inzwischen haben wir in der Krippe eine gute Struktur gefunden, mit der alle sinnvoll arbeiten können. Wir achten jetzt noch viel akribischer auf Hygiene und haben die Gruppen für das Ankommen, das Essen und verschiedene Aktivitäten geteilt, was zu mehr Ruhe geführt hat. Die Eltern müssen beim Abholen natürlich Masken tragen und Abstand halten. Darum vereinbaren wir für Elterngespräche jetzt öfter Termine, und dabei werden wir wahrscheinlich in Zukunft auch bleiben, weil die Kommunikation so viel besser funktioniert.

Also auch, wenn die Pandemie uns anfangs umgehauen hat, kann ich den Veränderungen auch sehr viel Positives abgewinnen.

Wir als Betreuende lassen uns wöchentlich testen. Inzwischen fühle ich mich sehr sicher. Das war vor einem Jahr nicht der Fall, da hatte ich auch selbst große gesundheitliche Ängste. Vor allem, weil ich ganz allein für meine drei jugendlichen Kinder verantwortlich bin.

Jede Frau kann auf eigenen Beinen stehen

In der Kinderkrippe erlebt man die verschiedensten Dinge und Familienkonstellationen. Es gibt alleinerziehende Mütter, die arbeiten müssen und darum gar nicht anders können als ihr Kind früh in Betreuung zu geben. Manche Eltern wählen auch bewusst die Unterstützung der Kinderkrippe, um professionelle pädagogische Begleitung zu haben und selbst im Umgang mit ihren Kindern dazuzulernen. Das merken wir, denn diese Eltern fragen viel bei uns nach und das finde ich sehr positiv.

Ich selbst bin sehr stolz darauf, dass ich komplett auf eigenen Beinen stehe. Und das kann jede von uns. Frauen können so viel und sind so stark. Ich wünsche jeder Frau, dass sie ihre eigene Kraft wahrnimmt und sich gegen Ungerechtigkeiten wehrt. Es geht in unserem Leben oft um die Frage: Veränderst du dich oder bleibst du so? Große Veränderungen stehen in unserer Gesellschaft momentan ganz sicher an. Wichtig ist, dass wir uns auf die Herausforderungen einlassen, die uns dabei begegnen.

Februar 2021

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